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Die spannende Geschichte der Menstruationsprodukte

Menstruationstassen, Panties, Tampons, Cups – Mittlerweile kann frau auf ein breites Sortiment an Hygieneprodukten während ihrer Menstruation zurückgreifen. Doch wie war das eigentlich in früheren Zeiten? Heute wollen wir uns mal in einem kleinen History-Deep Dive die Geschichte des Perioden-Diskurs und der Menstruationsprodukte ansehen.

Ganze 500x im Leben menstruiert eine Frau heutzutage im Durchschnitt. Das ist eine ganz schön hohe Nummer, und historisch gesehen, war die Nummer nicht immer so hoch. Das hat mit vielen Faktoren zu tun, unter anderem, dass die Lebenserwartung signifikant geringer war; beispielsweise sind Menschen im Mittelalter im Schnitt nur 35 alt geworden. Auch waren Frauen früher wegen des Mangels an adäquaten Verhütungsmitteln viel öfter schwanger als heute und haben aus diesem Grund häufiger gestillt, was ebenfalls zu einem Aussetzen der Periode durch die Ausschüttung des Hormons Prolaktin führen kann. Allerdings lassen sich über die genaue Anzahl früherer Menstruationen keine wissenschaftlich validierten Zahlen nennen, da es dazu schlichtweg keine Aufzeichnungen oder Forschungsdaten gibt.

Perioden sind politisch

Was allerdings gesichert ist, ist, dass Perioden politisch sind und immer schon waren. Auch die die Geschichte der Unterdrückung menstruierender Frauen reicht leider weit zurück sowie die generelle Tabuisierung der Periode. Einfluss darauf hatten vor allem religiöse Prägungen sowie das Patriarchat. Bereits in der Antike wurde der weibliche Körper als „mangelhaft“ angesehen und galt als feuchter und schwächer als der männliche Körper. Demnach mussten Frauen menstruieren, um sich ihrer überschüssigen Körperflüssigkeiten zu entledigen und aus dieser Falschannahme wurde das Bild eines „fehlerhaften“ weiblichen Körpers geboren. Doch auch das Christentum trug zur weiteren Stigmatisierung der Periode bei. In der Bibel heißt es etwa, dass eine Frau während ihrer Periode unrein sei und alle, die sie in dieser Zeit berühren, ebenfalls unrein werden.

Selbst heute wird die Periode leider manchmal nur als ein notwendiges Übel gesehen, dass man am besten so schnell und unsichtbar wie möglich hinter sich bringen sollte. Das zeigt sich zum Teil auch deutlich in Werbungen für Menstruationsprodukte, die voller glücklich wirkender, freudig umherspringender Frauen sind, die unsichtbar und diskret menstruieren und dank Produktes XY frisch und rein bleiben, was eben auch noch einmal den „Unreinheitsgedanke“ in den Vordergrund stellt.

Eine weitere Folge dieser Tabuisierung, die man nicht außer Acht lassen darf, ist die globale unzureichende Versorgung mit Menstruationsprodukten. Vor allem in Ländern, in denen der Zugang zu Binden, Tampons & Co nicht so einfach ist, sorgt das Einsetzen der Periode manchmal sogar für Schulabbrüchen bei Mädchen. Laut der gemeinnützigen Kinderrechtsorganisation Plan International geht etwa in Uganda jedes vierte Mädchen aus Angst vor Demütigung während seiner Periode nicht in die Schule.

Aber auch in der westlichen Welt ist die Versorgung mit Periodenprodukten ein Thema, Stichwort Period Poverty. So haben etwa viele Frauen nicht genügend Geld für teure Menstruationsartikel und tragen deswegen beispielsweise Tampons viel zu lange, was zu Infektionen, aber auch zu medizinischen Notfällen, wie dem Toxischen Schocksyndrom, führen kann. Der weltweite Menstruationshygiene Tag, der jährlich am 28. Mai stattfindet, soll auf dieses Problem aufmerksam machen.

Deswegen sind Aktionen wie die „Rote Box“ der Stadt Wien, umso wichtiger. Dort können sich Frauen seit 2023 pro Monat einen Gutschein in Jugendzentren und Sozialmärkten holen und ihn österreichweit in jeder Bipa-Filiale gegen eine gratis Packung Binden oder Tampons eintauschen.

So viel zum soziokulturellen Kontext der weiblichen Periode, wo noch sehr viel Aufklärungsbedarf besteht, um das Thema zu entstigmatisieren, weswegen wir diesen in unserem Artikel nicht ungeachtet lassen wollten. Wollen wir uns jetzt aber mal im Detail ansehen, wie sich die Menstruationsprodukte im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Die geschichtliche Entwicklung der Menstruationsprodukte

Binden

Um die ganz frühen Formen der Menstruationsprodukte ranken sich einige Mythen und nicht alle Infos sind verifiziert, aber wir fassen mal zusammen, was wir so gefunden haben.

In der Antike sollen Frauen Materialien wie Bast, Gras oder Felle verwendet haben, um das Blut aufzufangen. Im alten Ägypten nutzen Frauen angeblich Papyrusblätter als Einlagen und führten diese sogar gerollt in den Körper ein. Im antiken Griechenland dienten nach Überlieferung des Arztes Hippokrates in Leinen gewickelte Holzstücke als eine frühe Form von Tampons.

Im Mittelalter war es nicht üblich, Unterwäsche zu tragen und so praktizierten vielen Frauen Free Bleeding (was sich auch heute wieder größerer Beliebtheit erfreut) und ließen ihr Blut einfach abfließen. Später begannen Frauen damit, selbst aus Stoffresten wie alten Hemden oder Hosen Binden zu nähen.

Die erste „Revolution“ in der Geschichte der Periodenprodukte passierte Ende des 19. Jahrhunderts. 1896 brachte die amerikanische Firma Johnson & Johnson die ersten im Handel erhältlichen waschbaren Binden heraus, die aus Baumwolle hergestellt wurden. Die Binden wurden an sogenannten „Hygienegürteln“ befestigt. Diese bestanden aus einem elastischen Gurtband mit zwei Clips (vorne und hinten) an denen die waschbaren Damenbinden befestigt werden konnten.

In den 1920er Jahren kamen dann die ersten Einwegbinden auf den Markt, wie wir sie heute kennen. Kurioser Fact: Etwa zeitgleich gab es als billigere Alternative zu den doch etwas teureren Einwegbinden sogenannte „Hygieneschürzen“. Diese sahen aus wie tatsächliche Schürzen, waren meist aus dunklem Stoff gefertigt und wurden unter Röcken oder Kleidern getragen. Anders als der Name suggerieren sollte, waren diese nicht sehr hygienisch und funktionierten auch nicht gut.

Tampons

In den 1930er Jahren kam der erste Tampon auf den Markt. Entwickelt wurde er vom US-amerikanischen Hausarzt Earle Haas. Angeblich brachte ihn die Erzählung einer Freundin auf die Idee, die sich saugfähige Seeschwämme während ihrer Periode einführte. Haas weitete diese Idee aus, indem er Baumwollkompressen zusammenband und sie mit einem Rückholbändchen versah.

4 Jahre später, im Jahr 1934, kaufte die Deutsche Gertrude Tendrich Haas das Patent dazu ab und gründete die female-Owned Company Tampax, die bis heute Tampons vertreibt. Die ersten Tampons hatten immer einen Applikator als Einführungshilfe dabei. Erst 1950 kamen die ersten Tampons, die per Hand einzuführen waren, auf den Markt. Deren Erfinden war Carl Hahn und sein Unternehmen o.b .ist dir wahrscheinlich auch heute noch ein Begriff. Hättest du’s gewusst? o.B. ist eine Abkürzung und steht für „ohne Binde“.

Menstruationscups

Menstruationstassen haben in den letzten Jahren vermehrt als Menstruationsprodukte an Beliebtheit gewonnen. Hättest du dir allerdings gedacht, dass es diese bereits seit 1937 gibt? In diesem Jahr meldete die amerikanische Schauspielerin und Unternehmerin Leona Chalmers das Patent für einen kleinen Kelch aus vulkanisiertem Gummi, die erste Menstruationstasse, an. Allerdings wurde ihre Erfindung kurz nach Markteintritt wieder eingestellt, da durch den Beginn des zweiten Weltkriegs eine Gummi-Knappheit entstand. Erst nach Kriegsende wurde die Produktion wieder aufgenommen.

 

Perioden-Panties

Die neueste „Errungenschaft“ auf dem Markt der Menstruationsartikel sind sogenannte Periode-Panties, die es seit Mitte der 1990er gibt und seit ungefähr 5 Jahren einen großen Hype erleben. Das sind Unterhosen mit einer integrierten Saugeinlage, die aus mehreren Schichten besteht. Die erste Lage leitet das Periodenblut ins Innere der Hose weiter und sorgt für ein trockenes Gefühl, danach folgt eine weitere antibakterielle sowie absorbierende Schicht. Perioden-Panties kannst du sorgenfrei für mehrere Stunden tragen. Danach musst du sie nur mit kaltem Wasser auswaschen, in die Waschmaschine stecken und kannst sie für bis zu 2 Jahre wieder verwenden, was sie zu einer nachhaltigeren Alternative als Einwegprodukte macht.

Was ist dein Lieblings-Menstruationsprodukt? Bist du eher Team Tampon, Tasse, Panty oder Free Bleeding? Lass es uns gerne auf unserem Instagram wissen. Auch falls du Ideen hast, welche Menstruationsprodukte in Zukunft noch auf den Markt kommen könnten, freuen wir uns über deinen Input.

PS: Wenn das heute noch nicht genug Period-Talk für dich war und du Nähe Berlin wohnst oder planst, 2024 dort hinzureisen, dann empfehlen wir die die Ausstellung „Läuft. Die Ausstellung zur Menstruation“, die noch bis zum 06. Oktober 2024 im Museum Europäischer Kulturen Berlin zu sehen ist. Die Ausstellung möchte dem Thema Menstruation mehr Sichtbarkeit geben, gibt menstruierenden Personen einen Raum und skizziert die Entwicklung der Menstruationsprodukte vom späten 19. Jahrhundert bis heute.

Tina ist Marketing Managerin bei femSense und ist fest davon überzeugt, dass großartige Dinge passieren, wenn Frauen sich gegenseitig supporten und empowern, denn in dieser „Men's-World" braucht es eindeutig mehr Sisterhood. Sie lebt im Einklang mit ihrer Superpower aka ihrem Zyklus und schreibt über alle Themen, die wichtig sind.

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